Heuschrecken kann man nicht verjagen

Von: Stefanie Fiolka & Jennifer Hentschel

,,Soooo, jetzt ersma was trinken, ein Schlückchen am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen. So nen gaanz kleinen Schluck zum Wach werden. Na komm her. Hast auf mich gewartet, was. Das ist schön! Haste auf Papi gewartet, hast auf Papi gewartet, dududu.“ So verlief einer der beeindruckend gespielten Monologe des Theaterstückes „BOXES oder das Heuschreckenspiel“ des diesjährigen Q1-Theaterkurses des Anno-Gymnasiums Siegburg.

Das junge Ensemble hat die Zuschauer am Montag, dem 03.07.2017, im Rheinischen Landesmuseum Bonn mit dem gesellschaftskritischen Stück von Heribert Braun auf eine Reise quer durch das Alltagsleben einiger Mietshausbewohner geschickt.

Die Bewohner der einzelnen Wohnungen, auch „Boxes“, müssen sich schlagartig mit einem großen Problem auseinandersetzen.  Da sich die Eigentümer ‚Siegburger-Invest‘ nicht länger um das sanierungsbedürftige Haus kümmern möchten, versuchen sie so durch einen Unwandel der Mietwohnungen in Eigentumswohnungen den höchst möglichen Gewinn zu erwirtschaften.

Durch den Umwandel drohen den Bewohnern hohe Kosten um dort weiter zu leben, welche sie nicht tragen können.  Die Folge wäre der Rausschmiss aus ihrer Wohnung. So verhandeln sie mit dem Eigentümer, um als Genossenschaft, das Haus zu kaufen. Doch dieser Plan scheitert und als Ausweg bleibt am Ende nur noch die Hausbesetzung.

Das Stück BOXES hatte der Q1-Theaterkurs wegen der Aktualität des Themas ausgewählt. Über das gesamte Schuljahr 2016/2017 probten die Schüler und Schülerinnen unter der Regie von Cordula Engel und Jochen Peters das Stück bis ins kleinste Detail ein.

Neben den Proben für Köperhaltung, Textpassagen und Betonung von Konsonanten wurde auch eifrig an Veränderungen des Textes gearbeitet. Darüber hinaus halfen alle fleißig mit, das Bühnenbild zu entwerfen. So entstanden aus Bühnenpodesten, Planen und einigen Alltagsgegenständen wie Stühle und Tische die Wohnungen der Bewohner, welche durch Kartons sichtbar voneinander getrennt waren.

Andre Düvell (re.) überzeugte als alkoholkranker Bewohner (Foto: Jennifer Hentschel)

Da es sich um ein modernes Stück handelt, brauchten sich die Darsteller über die Kostümauswahl im Vorfeld keine großen Gedanken machen. Dementsprechend fühlten sich die Schüler in ihren „Alltagsklamotten“ sehr wohl. „Sobald ich die Klamotten für meine Rolle anhatte, war ich wie diese Person. Immer wenn ich jetzt auch nur so diese Klamotten anziehe erinnere ich mich an das Theaterstück“, erzählten zwei Schülerinnen. Alles in allem fühlten sich die Darsteller und die Regie mit dem Theaterstück sehr wohl und es wurde zu einem riesigen Erfolg des ganzen Teams.

Dies bemerkte auch das Publikum, das zahlreich zu der Vorstellung erschienen war. „Es war ein amüsantes, kreatives Stück. Das auf eine große erfolgreiche Vorarbeit erahnen lässt“, sagte eine Zuschauerin.

Doch nicht nur das Stück und das gelungene Konzept, sondern auch die Rollenbesetzung quittierte das Publikum mit einem großzügigen Applaus. So waren viele über die besonders glaubhafte Darstellung des alkoholkranken Sohnes begeistert, der von Andre Düvell verkörpert wurde. Laut einer weiteren Zuschauerin überzeugten die Freeze-Szenen jedes einzelnen Schülers. Bemerkenswert war auch der selbstverfasste zu Anfang vorgetragene Poetry Slam der Schülerinnen Guilia Bornee und Nadine Prahl des Q1-Literaturkurs.

Der große Erfolg war aber nicht nur den Zuschauern anzumerken, sondern auch dem gesamten Team. Auch wenn nicht immer alles so geklappt hat, wie es sollte, waren alle letztlich sehr zufrieden mit der Vorstellung und den gesammelten Erfahrungen auf der Theaterbühne.

„Ein besonderer Dank gilt auch der Technik und allen anderen die im Hintergrund mitgewirkt haben. Ohne diese helfenden Hände, wäre eine solche Vorstellung nicht möglich gewesen“, bedankte sich Frau Engel.

 

Die Besetzung im Überblick:

Box 1: Der Alleinerziehende und seine Tochter

André Büchel , Lea Franz

Box 2: Die WG

Robin Dederichs, Valentin Steltner, Laura Janik, Franca Holzschneider

Box 3: Familie Richter

Vincent Sträßer, Catrin Müller, Tochter: Chiara Hoffmann, Sohn: Aaron Mölders

Box 4: Das Paar

Ciara Borgards, Boas Cizmja

Box 5: Die alte Frau und der alkoholkranke Sohn

Anna Gribhofer,  André Düvell

Die Siegburger-Invest wurde von Constantin Kroniger, Niklas Mülln und Lukas Rempel und die Anwältin der Bewohner von Chiara Hoffmann gespielt.

Neben dem Theaterkurses hatten auch Schüler aus der EF-Stufe die Chance, am Theaterstück mitzuwirken. So spielten Evagelia Deliou und Miriam Ladislau die Kundinnen für die Eigentumswohnungen.

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